Kattenstroth

Entstehung und Entwicklung des Ortsteiles

Kattenstroth ist eine Bauernschaft und bildet heute mit der Bauernschaft Spexard die politische Gemeinde Kattenstroth-Spexard.
Über den Namen Kattenstroth (urkundliche Ersterwähnung 1189 als "Catinstrot", 1250 als "Kattenstrot") gibt es in der Literatur folgendes zu lesen.

Der Name Kattenstroth ist abgeleitet von den Namen Kotten und Busch; denn Katten heißt noch heute in Mecklenburg ein kleiner Kotten; Stroth ist ein Busch. Kattenstroth = Kotten im Busch (also ein geographischer Name). Die ältesten Nachrichten sind nur spärlich erhalten und sehr eng verknüpft mit der Geschichte von Gütersloh und Wiedenbrück. Die heutige Bauernschaft Kattenstroth gehörte in alter Zeit zum großen Olbrock. Dieser Bezirk reichte bis vor die Stadt Gütersloh und diente als Gemeinweide lange Jahrhunderte hindurch. Er begann etwa 20 Minuten nordöstlich von Wiedenbrück und lag zu beiden Seiten des Ölbaches. Das Olbrock bestand aus Wald, Wiese und Weide und wurde benutzt zur Viehtrift, zur Plaggen- und Holzgewinnung. Holzrichter waren der Graf von Rietberg, der Vertreter des Bischofs von Osnabrück und der Abt in Marienfeld.

Das Holzgericht wurde gehalten vor Schledebrücks Hofe. Teile des Olbrocks riß der Graf von Rheda an sich. Es bestand fort bis zum Jahre 1830. Damals wurde es aufgeteilt unter den Holzberechtigten. Von Jahr zu Jahr verschwindet der öde Charakter mehr, indem die moderne Landwirtschaft Hand daran gelegt hat. Ein alter Hof im Olbrock war Bultmanns Hof in der Nähe der Stadt Gütersloh an der alten Landstraße von Rheda. Hier wurde dem Landherren gehuldigt, wenn er seinen Besitz antrat. Die heutige Bauernschaft reicht im Norden bis an die Dalke, im Osten bis an den Sundern (Amt Gütersloh), im Süden an Spexard und im Westen bis an den Ölbach und das Gut Schledebrück.

Die Grenze im Norden bildete zugleich die Grenze zwischen der Grafschaft Rheda und dem zum Bistum Osnabrück gehörende Mate Reckenberg. Manche blutige Fehde ist hier zwischen den rhedischen und osnabrückischen Söldnern ausgefochten worden. Um den Besitz unserer Bauernschaft und der Stadt Gütersloh ist viel gestritten, bis endlich im Bielefelder Rezeß im Jahre 1565 die bis dahin schwebenden  Verhandlungen zum Abschluß gebracht wurden. Danach sollten die Bauernschaften Kattenstroth, Spexard und Avenwedde dem Bischof von Osnabrück erblich verbleiben, während das Dorf Gütersloh, samt den Bauernschaften Sundern, Nordhorn, Blankenhagen und Pavenstädt dem Grafen Bentheim-Tecklenburg zu Rheda zufielen. (Der Hof Schledebrück gehörte zum Kloster Marienfeld bis 1803.

Die Grenzen wurden durch Schnat- und Grenzsteine bezeichnet. Der Vogt des Bischofs wohnte auf dem Wöstmannschen Hofe in Spexard, der nach ihm heute noch den Namen "Wöstvogtei" führt. In der Zeit der religiösen Wirren musste hier von 1647 - 1655 sich der seiner Wohnung beraubte Pfarrer Sprenger aufhalten. Ein großes Zimmer des Hauses, der "Saal" war zu einer Kapelle eingerichtet. Die bunten Fenster waren ein Geschenk des Klosters Marienfeld. Die Streitigkeiten um die Kirche und die Pfarrgüter zu Gütersloh, wurden von dem Bischofe und dem Grafen geregelt auf dem Hagener Rezeß 1655 (Hagen - Dorf bei Osnabrück) und damit das Simultanum eingeführt, dass bis zum 11. August 1887 bestanden hat.

Der 30-jährige Krieg brachte der Gegend viele Schrecken und Leiden. Zwar lag in den ersten drei Jahren der Kriegsschauplatz weit entfernt, doch mit dem Einfall Christians von Braunschweig begann die unruhige Zeit. Die Kaiserlichen, besonders die Schweden brandschatzten das Land. Der Siebenjährige Krieg brachte viele Durchzüge der Truppen. Am 27. und 28 Juni 1757 lag in Gütersloh und Umgegend die franz. Armee in Quartier unter dem Marschall d'Estrees. Alles, was rings um Gütersloh auf dem Äckern stand, wurde abgemäht und als Futter für die Pferde verwendet. Im Jahre 1758 kam der Herzog Ferdinand von Braunschweig mit seinem Heere von Bergen bei Frankfurt, über Rietberg nach Gütersloh. Bemerkenswert ist ein Gefecht auf Schalücks Heide, in der Nähe von Schledebrück am 1. Juli 1758. Fünf preußische Husarenschwadronen unter Narzinski besiegten zwei Französische Husarenregimenter und verfolgten sie bis in die Gegend von Rietberg.

60 Mann wurden niedergehauen, 73 Gefangene genommen, viele blieben im Morast des Olbrocks stecken. In jener Zeit flüchteten die Leute vielfach mit Vieh und Korn in die Wälder. Eine sogenannte "Kuhkuhle" wurde vor 30 Jahren noch in der Nähe der Bergmannschen Wirtschaft gezeigt. Nun kam die Franzosenzeit des 19.Jahrhunderts unter Napoleon. Damals war unsere Gegend ein buntes durcheinander vieler Ländchen. Ging man aus Gütersloh über die Dalke, kam man in Osnabrücksches Gebiet. Hier an Billings Bachschem (Brücke) wurde der Zoll von allen eingeführten Waren erhoben. Der Zoll war an den Meistbietenden verpachtet. Der Weg nach Marienfeld führte hinter dem Hofe des Meiers zu Kattenstroth vorbei ins Münsterland.

Das alte ehrwürdige Kloster wurde 1803 aufgehoben. Die Vertreibung der Benediktinermönche geschah durch Blüchersche Husaren. Der Weg nach Norden führte in das Ravensberger Land, der nach Verl ins Rietberger Land. Im Jahre 1889 wurde die "Wöste-Vogtei" aufgelöst und es bildeten sich daraus die drei Gemeinden Avenwedde, Lintel und Kattenstroth-Spexard. Im Jahre 1910 wurde dann die Bauernschaft Kattenstroth nach Gütersloh eingemeindet. Heute ist die Bauernschaft Kattenstroth zu einem beliebten Wohngebiet in Gütersloher Süden geworden. Zahlreiche Ackerflächen wurden zu Bauland und Bauernhöfe, woran heute nur noch Straßennamen erinnern verschwanden aus dem Landschaftsbild.